Im ersten Teil dieser Serie haben wir gezeigt, wie sich Geschäftsmodelle, Prozesse und Technologien in der Life-Sciences-Industrie verändern und warum SAP S/4HANA als digitaler Kern dabei eine entscheidende Rolle spielt. Lesen Sie Teil 1 hier. Doch digitale Transformation ist kein einmaliges Projekt. Sie entfaltet ihre volle Wirkung erst, wenn sie als kontinuierlicher Kreislauf aus Innovation, Prozessoptimierung und datengestützter Steuerung verstanden wird. Dieses Prinzip lässt sich am besten mit dem Konzept des Flywheels beschreiben: ein Mechanismus, der mit klarer Struktur in Bewegung gesetzt wird und sich mit jedem weiteren Schritt selbst beschleunigt.
In diesem Beitrag zeigen wir, wie Unternehmen im Life-Sciences-Sektor ihr Flywheel der digitalen Transformation in Gang setzen und wie daraus ein nachhaltiger, sich selbst verstärkender Innovationszyklus entsteht.
Was ist das Flywheel der digitalen Transformation?
Der Begriff Flywheel stammt ursprünglich aus der Mechanik: Ein Schwungrad, das, einmal in Bewegung gesetzt, seine Energie speichert und mit jeder Umdrehung effizienter läuft. Übertragen auf die digitale Transformation beschreibt das Flywheel einen Kreislauf, in dem Innovation, Prozessoptimierung und datenbasierte Entscheidungsfindung ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken.
Führende Beratungen wie McKinsey und BCG zeigen, dass Unternehmen, die Transformation als kontinuierlichen Zyklus verstehen, erfolgreicher und resilienter agieren. Im Life-Sciences-Sektor heißt das konkret: Zuerst entsteht ein stabiles digitales Fundament (z. B. durch SAP S/4HANA), dann werden Prozesse optimiert und standardisiert. Schließlich fließen Daten und KI-Anwendungen zurück in die Wertschöpfung. So entsteht ein sich selbst beschleunigendes System – das digitale Schwungrad für nachhaltige Transformation.
Digitalisierung und Automatisierung: Effizienzsteigerung durch moderne ERP-Systeme
Der erste Schritt im Flywheel ist die Schaffung eines stabilen digitalen Kerns. Die Life-Sciences-Branche ist von regulatorischen Anforderungen, strengen Validierungsprozessen und hoher Komplexität geprägt. Gerade hier ermöglicht SAP S/4HANA als zentrale ERP-Plattform die notwendige Stabilität und Transparenz.
Durch Automatisierung und Standardisierung – etwa im Produktions- oder Qualitätsmanagement – lassen sich Effizienzreserven heben und gleichzeitig regulatorische Anforderungen erfüllen. So werden Ressourcen frei, die in Forschung und Innovation investiert werden können. Der digitale Kern ist damit der Antrieb des Flywheels: Er liefert den Schwung, um die Transformation dauerhaft in Bewegung zu halten.
Compliance und Qualitätssicherung: Anpassung an neue regulatorische Anforderungen
Nach der Digitalisierung folgt der nächste Hebel: die konsequente Verankerung von Compliance und Qualitätssicherung. Im regulierten Umfeld von Life Sciences sind validierungsfähige Prozesse und Auditierbarkeit zentrale Erfolgsfaktoren.
Ein modernes ERP-System unterstützt dies mit integrierten Audit-Trails, elektronischen Signaturen und dokumentierten Workflows. Damit wird Compliance von einer Pflichtaufgabe zum strategischen Wettbewerbsvorteil. Tenthpin, einer der globalen SAP-Partner mit Spezialisierung auf Life Sciences, betont in seinem Blog, dass „standardisierte und digital validierte Prozesse die Geschwindigkeit von Transformationen signifikant erhöhen und regulatorische Risiken reduzieren“.
Im Flywheel-Konzept sorgt diese Phase dafür, dass die Bewegung kontrolliert, reproduzierbar und vertrauenswürdig bleibt – essenziell, um langfristig Momentum aufzubauen.
Cloud-Computing und IT-Infrastruktur: Grundlage für digitale Innovation
Das Flywheel benötigt eine skalierbare Infrastruktur, um Geschwindigkeit und Flexibilität zu erreichen. Moderne Cloud-Architekturen ermöglichen Life-Sciences-Unternehmen, Produktions-, Forschungs- und Lieferdaten sicher zu verknüpfen und gleichzeitig Compliance sicherzustellen.
Die SAP Industry Cloud ist hier ein zentraler Baustein. Sie bietet branchenspezifische Erweiterungen – von Laborintegration über Serialisierung bis hin zu Supply-Chain-Transparenz – und verbindet Cloud-Innovation mit validierten Prozessen. Laut SAP ist diese Kombination „entscheidend, um klinische Abläufe zu optimieren und Innovationen schneller, sicherer und nachhaltiger auf den Markt zu bringen“.
Daten und Analytics: Entscheidungsfindung durch KI und Datenanalyse
Im Kern des Flywheels steht der intelligente Umgang mit Daten. Unternehmen, die Daten aus Produktion, Forschung, Supply Chain und Marktanalysen konsistent verknüpfen, schaffen die Grundlage für prädiktive Analysen und automatisierte Entscheidungsprozesse.
Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen transformieren die Art und Weise, wie Life-Sciences-Unternehmen planen, forschen und produzieren – von der Echtzeit-Qualitätsüberwachung bis hin zu Smart Trials und Real-World Evidence. Jeder Zyklus im Flywheel generiert neue Erkenntnisse, die in den nächsten Optimierungsschritt einfließen. Ein Kreislauf aus Lernen und Beschleunigung.
Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil
Die Integration von ESG-Kriterien in Prozesse und Strategien ist längst mehr als ein regulatorisches Muss. Unternehmen, die ökologische, soziale und Governance-Aspekte digital abbilden und messen, schaffen nicht nur Transparenz, sondern auch Differenzierung.
ERP-Systeme wie SAP S/4HANA ermöglichen ESG-Reporting und CO₂-Monitoring entlang der gesamten Wertschöpfungskette. So wird Nachhaltigkeit zu einem festen Bestandteil des Flywheels. Ein Element, das sowohl regulatorische Anforderungen als auch Markt- und Reputationsvorteile adressiert.
Wie adesso business consulting Unternehmen beim Flywheel unterstützt
adesso business consulting begleitet Life-Sciences-Unternehmen auf allen Ebenen des Flywheels – strategisch, technologisch und regulatorisch. Durch die Verbindung von tiefem Branchenverständnis und SAP-Kompetenz unterstützt adesso Kunden beim Aufbau validierungsfähiger ERP-Architekturen, der Prozessoptimierung, bei Data- & -AI-Strategien und bei der Integration moderner Cloud-Lösungen über die SAP BTP und Industry Cloud.
Wir unterstützen unsere Kunden nicht nur bei der Einführung von SAP S/4HANA, sondern auch bei der langfristigen Gestaltung eines nachhaltigen Innovationszyklus mit klarer Governance, messbarem Business Impact und einem validierten, auditierbaren Betrieb. So wird das Flywheel nicht nur gestartet, sondern kontinuierlich beschleunigt. Lesen Sie hier mehr dazu in einem anderen Blogartikel.
Ausblick: Vom Flywheel zur Business Suite der Zukunft
Die digitale Transformation endet nicht beim Flywheel – sie findet ihre konsequente Fortsetzung in der neuen SAP Business Suite Strategie, die SAP aktuell global ausrollt.
Im kommenden dritten Beitrag dieser Serie („Die neue SAP Business Suite Strategie als Fundament“) beleuchten wir, wie SAP mit S/4HANA, der Business Data Cloud, Joule und der Business Technology Platform (BTP) die Grundlage für eine neue Generation integrierter Unternehmenssoftware legt. Wir zeigen, wie diese Strategie das Flywheel-Modell architektonisch abbildet und warum gerade Life-Sciences-Unternehmen davon profitieren, wenn Stabilität, Datenintelligenz und Innovation in einem Kreislauf zusammengeführt werden.




