12. Februar 2026

E-Invoicing in den Niederlanden: Warum das Land trotz fehlender B2B-Pflicht die ideale Blaupause für Ihre Peppol-Strategie ist

Wer sich aktuell mit dem Thema E-Invoicing in Europa beschäftigt, schaut meist zuerst nach Frankreich, Polen oder Deutschland. Dort zwingen staatliche Mandate die Unternehmen zur digitalen Umstellung. Doch während der Markt auf das nächste große „Muss“ wartet, hat sich in den Niederlanden fast unbemerkt ein Modell etabliert, das für SAP-Kunden ebenso interessant ist – ein Erfolgssystem, das auf Standardisierung statt auf Zwang setzt.

Während im B2B-Bereich noch Freiwilligkeit herrscht, bereiten die Niederlande aktuell die nationale Gesetzgebung zur Adaption der EU-weiten ViDA-Initiative bis 2028 vor. In einem vierstufigen Fahrplan führt die Regierung bis dahin intensive Konsultationen und politische Analysen durch, um über eine Ausweitung der E-Rechnungspflicht auf den nationalen B2B-Sektor zu entscheiden. Darauf folgt 2029 die technische Vorbereitung auf die Digital Reporting Requirements (DRR). Ab Juli 2030 greift schließlich die EU-weite Pflicht für grenzüberschreitende B2B-Transaktionen. Unternehmen werden daher schon jetzt dringend dazu angehalten, auf Peppol- und NLCIUS-kompatible Lösungen umzustellen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum die Niederlande der perfekte „Testmarkt“ für Ihre globale Peppol-Strategie sind und wie Sie dies technisch in SAP umsetzen.

Marktdynamik statt Mandat: Warum E-Invoicing in den Niederlanden auch ohne Pflicht boomt

In den Niederlanden ist die elektronische Rechnung im B2G-Bereich (Business-to-Government) seit 2019 Pflicht. Dass die Niederlande ein Vorreiter sind, belegen die Zahlen der EU-Kommission: Über 80 % der Rechnungen an die Zentralregierung sind digital, wobei fast jede zweite Rechnung bereits über Peppol fließt und das ganz ohne gesetzlichen Zwang im B2B-Bereich. Das zeigt: Der Markt hat den Effizienzvorteil der Standardisierung vor dem Gesetzgeber erkannt.

Warum ist das so? Die niederländische Wirtschaft hat früh erkannt, dass E-Invoicing kein reines Compliance-Thema ist, sondern ein Effizienz-Treiber. Anstatt auf proprietäre Portale oder bilaterale EDI-Verbindungen zu setzen, haben sich die Niederlande konsequent dem Peppol-Netzwerk verschrieben. Die „Nederlandse Peppol autoriteit“ (NPa) sorgt dabei für einen klaren Rahmen.

Warum die Niederlande Ihre ideale Blaupause sind

Fokus auf den Standard (Peppol)

In den Niederlanden wird primär der internationale Standard Peppol BIS Billing 3.0 genutzt. Wer den Implementierungsprozess in seinem SAP-System einmal sauber aufgesetzt hat, kann ihn mit wenigen Anpassungen auf Länder wie Belgien und bald auch Deutschland (im Zuge des Wachstumschancengesetzes) übertragen. Der Erfolg in den Niederlanden fußt auf dem Peppol 4-Corner-Modell, das das alte Problem der Punkt-zu-Punkt-Verbindungen löst. Dieses Modell ist die Blaupause für globale Unternehmen:

Abb. 1: Das Peppol 4-Corner Model

Um den technischen Austausch der Daten zu verstehen, setzen die Niederlande – wie viele andere EU-Länder auch – auf das bewährte 4-Corner-Modell. Da dieses Modell die architektonische Basis für den gesamten Peppol-Raum bildet, haben wir die Funktionsweise und die Vorteile für SAP-Anwender bereits ausführlich in unserem Beitrag „E-Rechnung in Belgien: Mit Peppol und SAP DRC gut aufgestellt“ erklärt. Dort berichten meine Kollegen Aleksandar Lukic und Felix Löffler im Detail, wie die Kommunikation zwischen den verschiedenen Access Points abläuft. Lesen Sie hier mehr dazu!

Da in den Niederlanden bereits eine kritische Masse an Unternehmen über Peppol erreichbar ist, entfällt das mühsame Onboarding einzelner Partner. Dank des ‚Single-Point-of-Entry‘-Prinzips ermöglicht eine einzige Anbindung den automatisierten Rechnungsaustausch mit einer unbegrenzten Anzahl an Geschäftspartnern.

Prozessoptimierung vor Compliance

Da es keinen staatlichen Zwang gibt, steht in niederländischen Projekten die End-to-End-Automatisierung im Vordergrund. Hier lernen Sie, wie Sie Statusrückmeldungen (Invoice Response) nutzen, um den manuellen Aufwand in der Buchhaltung (FI) zu reduzieren.

Vorbereitung auf ViDA

Die EU-Initiative ViDA (VAT in the Digital Age) sieht vor, dass grenzüberschreitende Rechnungen innerhalb der EU auf einem Standard basieren sollen – der Trend geht hier ganz klar Richtung Peppol. Mit einem Setup in den Niederlanden sind Sie technisch bereits „ViDA-ready“. Mehr zu ViDA und E-Invoicing als europäischer Standard lesen Sie hier!

Die technische Umsetzung: SAP DRC und der Peppol Exchange Service

Für SAP-Berater:innen und IT-Entscheider:innen ist die gute Nachricht: Die Werkzeuge sind bereits da. Die Kombination aus SAP Document and Reporting Compliance (DRC) und dem SAP Peppol Exchange Service ist die Goldstandard-Lösung.

  • SAP DRC: Die Lösung fungiert als zentrales Cockpit, nicht nur in SAP S/4HANA, sondern schon ab SAP ERP-Version ECC 6.0 EHP 1. Hier werden die e-Documents erstellt, gemappt und überwacht.
  • SAP Peppol Exchange Service: SAP agiert hier als Ihr zertifizierter Peppol Service Provider und stellt Ihnen einen Access Point (Corner 2 + 3). Die Übermittlung erfolgt sicher über die SAP Business Technology Platform direkt in das Peppol-Netzwerk. Der Vorteil: Sie benötigen keine Drittanbieter-Lösung oder komplexe Middleware-Landschaften. Die Integration ist im SAP-Standard nativ, wartungsarm und bietet volle Transparenz über den Rechnungsstatus direkt im SAP-Beleg.

Fazit

Die Niederlande beweisen, dass die wahre Stärke von E-Invoicing in der Interoperabilität liegt. Wer die Niederlande als Blaupause nutzt, baut keine Insellösung für ein einzelnes Land, sondern ein skalierbares globales Kommunikationsmodell.

Wenn Sie Ihr SAP-System für Peppol in den Niederlanden fit machen, legen Sie das Fundament für die gesamte europäische E-Invoicing-Landschaft der Zukunft. Und Sie könnten sogar der E-Invoicing-Pflicht in den Niederlanden vorweggreifen, sollte eine kommen.

Sie planen den Rollout Ihrer E-Invoicing-Strategie oder möchten wissen, wie Sie SAP DRC optimal für den niederländischen Markt vorkonfigurieren?

Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, wie wir Ihr System zukunftssicher aufstellen können. Ich freue mich auf einen ersten Austausch!

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Ein Beitrag von:

Mike Kessner

Mike Kessner ist erfahrener Consultant mit den Schwerpunkten SAP CO und SAP DRC. Seine Expertise liegt in der Optimierung von Controlling-Prozessen sowie der Implementierung von E-Invoicing-Lösungen unter S/4HANA. Mit seinem tiefgreifenden Know-how in der digitalen Transformation unterstützt er Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen und moderne Finanzprozesse zukunftssicher zu gestalten.
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