21. April 2026

Vom Java-Enterprise-Entwickler zum SAP-BTP-CAP-Solution-Architekten

Wie eine strukturierte Learning Journey aus „klassischen“ Entwickler:innen gefragte SAP-BTP-Expert:innen macht

Wer heute als Softwareentwickler:in im Enterprise-Umfeld unterwegs ist, kommt an der SAP Business Technology Platform (BTP) kaum vorbei. Mit dem SAP Cloud Application Programming Model (CAP) bietet die BTP ein Entwicklungsmodell, das für viele „klassische“ Java-Enterprise-Entwickler:innen erstaunlich vertraut wirkt. In diesem Beitrag zeigen wir – aus der Perspektive von Hans Schneider, interviewt durch Nicolas Matzies – wie der Weg vom Java-/Web-Stack hin zu SAP BTP und CAP in der Praxis aussehen kann, welche SAP Learning Journeys und Zertifizierungen dabei helfen und warum dieser Pfad gerade für Business Consulting und Architekt:innen spannend ist.

Vom klassischen Enterprise-Stack zur SAP BTP mit CAP

Nicolas: Hey Hans, schön dass du dir die Zeit nimmst, uns von deinem Werdegang vom Java-Architekten zum CAP-Architekten zu erzählen. Um eins direkt vorweg zu klären: Wenn ich von dieser Geschichte erzähle, gibt es oft Diskussionen, ob du durch diese Learning Journey auf die „dunkle“ oder die „gute“ Seite der Macht gewechselt bist. Was ist deine Sicht dazu?

Hans *lacht*: Ich würde sagen, in jedem Technologie-Stack gibt es gute und schlechte Seiten: Im klassischen Enterprise-Java-Umfeld hast du enorme Freiheit, Reife und Stabilität, dafür aber oft auch mehr Komplexität und Wartungsaufwand. Auf der BTP mit CAP profitierst du von klaren Standards, viel „Out of the Box“ und einer starken Integration in die SAP-Welt, musst dafür aber an einigen Stellen Kompromisse machen und dich stärker in ein vorgegebenes Modell einfügen.

Am Ende ist es weniger ein Wechsel zur guten oder dunklen Seite, sondern eher ein Rollenwechsel: Vom Schmieden des Laserschwerts im eigenen Keller hin zu einem Lichtschwert aus der Standardproduktion – mit definierten Features, aber dafür auch mit Garantie. Und beides hat seinen Reiz – je nachdem, welche Mission man gerade fliegt.

Nicolas: Ok, das nehmen wir dann mal so hin 🙂 Jetzt mal von vorne: Wie war das denn „vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“?

Hans: Der Einstieg in meine berufliche Laufbahn hatte zunächst wenig mit SAP zu tun. Nach dem Studium der „Angewandten Informatik“ an der Fachhochschule Südwestfalen (Dipl. Informatiker (FH)) startete ich 2007 in die Entwicklung von Client-/Server-Anwendungen und webbasierten Datenbankapplikationen. Schwerpunkte waren Java (SE/EE), Spring, Jakarta Enterprise Beans, Webentwicklung mit HTML, CSS, JavaScript und Frameworks wie Angular sowie Persistenz mit JPA/Hibernate auf relationalen Datenbanken wie Oracle, MariaDB, MySQL oder SQL Server. Parallel dazu habe ich meine Architekturkompetenz über iSAQB CPSA-F und CPSA-A systematisch ausgebaut und intensiv mit Clean Code, Code Reviews, Testautomatisierung und agiler Entwicklung (Scrum) gearbeitet.

Nicolas: Cool, ziemlich rundes Architektenprofil würde ich mal sagen! Und dann hast du dich bereit gefühlt für noch mehr Nervenkitzel und wolltest mal die SAP-Welt kennenlernen?

Hans: Mit der zunehmenden Cloud-Orientierung von Kundenprojekten wurde klar: Wer im Enterprise-Umfeld langfristig relevant bleiben will, kommt an SAP und insbesondere an der BTP nicht vorbei. Die Plattform bietet zentrale Services für Erweiterungen, Integration, Security, AI und Workflow und unterstützt etablierte Technologien wie Node.js, Java, moderne Frontend-Frameworks sowie DevOps-Ansätze.

Mit meiner eben beschriebenen Basis – Architekturdenken, saubere Code-Praktiken, solide Backend- und Web-Kompetenz – hatte ich den Schlüssel, schnell in Softwareentwicklung rund um die SAP BTP einzusteigen.

Für mich war CAP der natürliche Anknüpfungspunkt: Domänenmodellierung über Core Data Services (CDS), serviceorientierte Architektur (OData/REST), Businesslogik in Node.js oder Java und eine klare Struktur mit testbaren Schichten – sehr nah an dem, was ich aus der klassischen Enterprise-Welt kannte. Der Wechsel war deshalb kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung vorhandener Fähigkeiten ins SAP-Ökosystem.

Nicolas: Hört sich ja wirklich nach einem guten Match an – schön, dass du jetzt im SAP-Kosmos resiliente Enterprise-Applikationen entwickelst! Trotzdem sind ja für viele Entwickler:innen besonders die ersten Schritte auf einer neuen Plattform die schwierigsten. Wie hast du denn diese „Berührungsängste“ überwunden?

Learning Journeys & Zertifizierungen als roter Faden statt Zufall

Hans: Durch Berührung 😉 Der entscheidende Erfolgsfaktor auf dem Weg in die SAP-BTP-Welt waren SAP Learning Journeys. Statt sich unsystematisch durch Dokumentation und Blogbeiträge zu arbeiten, sorgen diese Lernpfade für Struktur – inklusive klarer Zielbilder und dazu passender Zertifizierungen.

1. BTP verstehen – das Fundament legen

Der Einstieg erfolgte über eine BTP-Grundlagenreise wie „Discovering SAP Business Technology Platform“. Hier stehen unter anderem im Fokus:

  • das Gesamtbild der SAP BTP und der Intelligent-Enterprise-Strategie,
  • Integrations- und Erweiterungsmöglichkeiten,
  • Querschnittsthemen wie Analytics, Datenmanagement, Security und Nachhaltigkeit.

Am Ende gibt es dann ein Record of Achievement – vor allem aber ein klares Verständnis, wie und wofür die BTP eingesetzt werden kann.

2. Entwicklung auf BTP – von der Idee zur Cloud-App

Der nächste Schritt war die Learning Journey „Develop Full-Stack Applications Using Productivity Tools in SAP Business Application Studio“. Sie adressiert erfahrene Entwickler:innen und beantwortet Fragen wie:

  • Wie baue und deploye ich Cloud-Anwendungen im SAP Business Application Studio?
  • Wie nutze ich Productivity-Tools und Vorlagen effizient?
  • Wie integriere ich CAP und weitere BTP-Services in eine Full-Stack-Anwendung?
  • Wie sieht ein durchgängiger CI/CD-Ansatz für BTP-Deployments aus?

Für klassische Full-Stack-Entwickler:innen ist diese Journey die Brücke von „normaler“ Cloud-App hin zu BTP-spezifischer Entwicklung.

3. CAP als Kern für Side-by-Side-Extensions

Der eigentliche CAP-Fokus liegt in der Learning Journey „Building Side-by-Side Extensions on SAP BTP“. Inhalte sind unter anderem:

  • Aufbau von Side-by-Side-Extensions mit CAP (Node.js),
  • Modellierung von Entitäten und Services per CDS,
  • Exponieren von Services als OData,
  • Event Handler, Businesslogik und UI-Integration (z. B. mit SAP Fiori elements),
  • verschiedene Deployment-Szenarien und CI/CD.

Diese Journey zahlt direkt auf die Zertifizierung „SAP Certified Development Associate – SAP BTP Extensions with SAP Cloud Application Programming Model (C_CPE_16)“ ein.

4. Integration als Schlüsselkompetenz

Beinahe jede BTP-Lösung spricht mit anderen Systemen. Deshalb war die Learning Journey „Developing with SAP Integration Suite“ ein wichtiger Baustein:

  • Design und Umsetzung von Integrationsszenarien,
  • APIs, Integration Flows und Prozessmodellierung,
  • Governance- und Betriebsaspekte.

Ziel ist hier die Zertifizierung „SAP Certified Development Associate – SAP Integration Suite (C_CPI_14)“.

Zertifizierungen sind in diesem Kontext keine Trophäen, sondern Meilensteine: Sie dokumentieren Kompetenz, schaffen Vertrauen bei Kund:innen und geben dem eigenen Lernpfad eine klare Struktur. Ergänzt werden sie bei mir durch die Zertifizierung zum
„SAP Certified Professional – Solution Architect – SAP BTP (P_BTPA_2408)“ und die bereits erwähnten iSAQB-Zertifizierungen – eine Kombination, die sowohl technische Tiefe als auch architektonische Breite im BTP-Umfeld abdeckt.

Nicolas: Ok, das klingt ja wirklich nach einer Rundumbeleuchtung der Plattform, schön zu sehen dass SAP da so viel Gratis-Trainings bereitstellt, die jede:r selbstständig durchführen kann. „No more excuses“ würde ich also mal sagen. Hast du dich damit dann bereit für reale Kundenprojekte gefühlt?

Projekterfahrung: CAP & BTP im echten Einsatz beim Kunden

Hans: Lernpfade bleiben Theorie, wenn sie nicht in die Praxis übergehen. Entscheidend war deshalb, wie du sagst, natürlich der Einsatz in realen Kundenprojekten. Einige prägnante Beispiele:

Payment Dashboard App

Ziel war eine BTP-basierte Lösung, um doppelte Zahlungen über Systeme und Buchungskreise hinweg zu vermeiden. Eingesetzt wurden SAP BTP, SAP CAP, CDS, Node.js, JavaScript und SAP Fiori. Die Aufgaben umfassten unter anderem die Entwicklung einer Side-by-Side Extension mit CAP sowie die Anbindung verschiedener Umsysteme für Rechnungs- und PDF-Daten.

Batch Management Engine

In diesem Projekt wurde eine zentrale Lösung geschaffen, um die komplexe und fehleranfällige Vergabe von Chargennummern über mehrere ERP-Systeme hinweg zu vereinheitlichen. Technologien: SAP CAP, CDS, SAP Integration Suite, Node.js, TypeScript, Jest. Schwerpunkte waren Architekturentwurf, Entwicklung der CAP-App sowie der Aufbau einer HTTP-API über die Integration Suite.

SAP EAM Instandhaltungslösungen auf der BTP

Hier stand die Unterstützung von Instandhaltungsprozessen im Fokus. Auf Basis der SAP BTP wurden unter anderem Tools für die Arbeitsvorbereitung in SAP EAM entwickelt – als individuelle, passgenaue Erweiterung des Standards.

AI-unterstützter PoC zur Doppelzahlungsvermeidung

In einem Proof-of-Concept wurde eine Business-Technology-Platform-Lösung entwickelt, um den SAP-Standard im Bereich Doppelzahlungsvermeidung zu erweitern. Technologien: SAP BTP, SAP CAP, Node.js, SAP AI Hub, SAP Document Extraction Service. Ein Schwerpunkt lag auf der Einbindung von AI Services in die CAP-Anwendung und der Erweiterung der Architektur für intelligente Szenarien.

BTP Center of Excellence & CAP-Guidelines

Neben der Delivery-Perspektive war der Aufbau eines BTP Center of Excellence mit einem Target Operating Model für die BTP-Organisation ein wichtiger Baustein: Prozesse, Rollen, Skills und Best Practices wurden definiert. Dazu kamen Entwicklungsrichtlinien für CAP-Applikationen, um Standards und Wiederverwendbarkeit im Unternehmen zu etablieren.

Solche Projekte sind der Punkt, an dem sich Learning Journeys, Zertifizierungen und Architektur-Know-how verzahnen. Sie ermöglichen den Schritt vom „BTP/CAP-Entwickler“ hin zum Solution Architect, der End-to-End denkt – von der Business-Anforderung über Architektur und Implementierung bis zu Betrieb und Governance.

Was andere Entwickler:innen daraus mitnehmen können

Nicolas: Erste Berührungsängste sind bei dir also längst überwunden, da sind ja einige spannende Anwendungen dabei! Was würdest du denn abschließend Entwickler:innen mitgeben, die du jetzt absolut begeistert hast und die auch mal „SAP-Luft“ schnuppern wollen?

Hans: Aus meiner Story lassen sich einige konkrete Empfehlungen ableiten – gerade auch für Kolleg:innen im Business Consulting mit technischem Hintergrund oder Architekturfokus:

1. Auf bestehende Stärken aufbauen

Wer bereits Erfahrung mit Java, Node.js, Webentwicklung, Datenbanken und Architektur hat, bringt die perfekte Grundlage mit. Der Einstieg in SAP BTP und CAP ist dann kein Neustart, sondern eine Spezialisierung.

2. Gezielt mit Learning Journeys arbeiten

SAP Learning Journeys sind ein effektives Mittel, um sich strukturiert vom Grundlagenwissen (BTP-Verständnis) über die Entwicklung (Business Application Studio, CAP) bis hin zur Integration (Integration Suite) vorzuarbeiten – jeweils mit klaren Zertifizierungszielen.

3. Zertifizierungen als sichtbare Meilensteine verstehen

Zertifizierungen wie C_CPE_16, C_CPI_14 und perspektivisch P_BTPA_xxxx machen Kompetenz nach innen und außen sichtbar. Sie helfen, Profile zu schärfen – etwa als BTP-Entwickler:in, Integrationsspezialist:in oder Solution Architect.

4. Projekterfahrung früh suchen

Theorie wird erst durch reale Kundenanforderungen, Integrationsszenarien und Produktionsbetrieb wirklich „rund“. Wer die Möglichkeit hat, früh in BTP- und CAP-Projekten mitzuarbeiten, beschleunigt seine Lernkurve enorm.

5. Architektur- und Beratungskompetenz kombinieren

Gerade im Business Consulting ist die Schnittstelle aus Business- und IT-Verständnis entscheidend. Die Kombination aus BTP-/CAP-Know-how, Integrationswissen und Architekturkompetenz eröffnet neue Rollen – vom technischen Consultant bis hin zum BTP-Solution-Architekten.

Fazit und Ausblick

Diese Geschichte zeigt: Für den Weg vom klassischen Enterprise-Entwickler zum SAP-BTP-CAP-Solution-Architekten braucht es keinen radikalen Neustart, sondern einen gut geplanten Lernpfad, der vorhandene Fähigkeiten nutzt und gezielt in die SAP-Welt überführt.

  • Learning Journeys geben Struktur und Orientierung.
  • Zertifizierungen machen Fortschritt und Kompetenz sichtbar.
  • Projekterfahrung sorgt dafür, dass aus Theorie messbarer Kundennutzen wird.

Für uns im Business Consulting bedeutet das: SAP BTP und CAP sind nicht nur ein technisches Thema, sondern ein strategischer Hebel, um gemeinsam mit unseren Kund:innen die nächste Stufe ihrer digitalen Transformation zu gestalten.

Hans’ Werdegang zeigt exemplarisch, wie adesso seine Mitarbeitenden gezielt fördert: Die Teilnahme an den SAP Learning Journeys und die damit verbundenen Zertifizierungen wurden aktiv unterstützt und überhaupt erst ermöglicht. adesso investiert bewusst in die Weiterbildung erfahrener Entwickler:innen, weil genau diese Kombination aus tiefem technischem Fundament und SAP-BTP-/CAP-Expertise den Unterschied in Kundenprojekten macht. Für bestehende Entwickler:innen eröffnet das eine spannende Perspektive: Wer bereits solide Enterprise-Erfahrung mitbringt, kann sich durch gezielte Fortbildung neuen, hochgefragten SAP-Themen widmen – ohne bei null anfangen zu müssen.

Mehr über die Funktionen und Vorteile der SAP BTP erfahren Sie hier in einem anderen Blogartikel. Außerdem lohnt sich hier ein Blick in den Beitrag, wie die BTP in jeder Phase einer ERP-Transformation konkrete Mehrwerte liefert.

Wir begleiten Unternehmen ganzheitlich auf ihrem Weg Richtung BTP, sowohl technisch als auch organisatorisch. Sie möchten mehr darüber erfahren, wie adesso Sie bei Ihren SAP-BTP- und CAP-Projekten unterstützen kann? Dann sprechen Sie uns gerne an – wir freuen uns auf den Austausch.

Nicolas: Hans, vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Ich freue mich schon auf die nächsten gemeinsamen Projekte.

Hans: Sehr gerne.

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Ein Beitrag von:

Nicolas Matzies

Nicolas Matzies ist SAP BTP Architect und bei adesso business consulting Lead des SAP Technology Clusters. In dieser Rolle koordiniert er die kontinuierliche Weiterentwicklung von adessos Portfolio mit Fokus auf Cloud-, BTP- und natürlich KI-Themen. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen verbindet er dabei die technische mit der organisatorischen Transformation zu ganzheitlichen Lösungen.
Alle Beiträge von: Hans Schneider und Nicolas Matzies

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