12. Mai 2026

Die LSMW unter S/4HANA wird durch SAP nicht mehr empfohlen – was nun?

Die LSMW – ein Tool, das in klassischen ERP-Systemen massenhaft eingesetzt wurde – wurde von SAP in die Simplifikation Item List aufgenommen und steht unter S/4HANA nur noch eingeschränkt zur Verfügung (siehe SAP-Hinweis 2287723). In diesem Artikel zeigen wir, dass man nicht in Panik verfallen muss und es Alternativen gibt.

Abb. 1: Hinweis 2287723

LSMW unter S/4HANA: Was bedeutet das für den Kunden?

Die LSMW – die Legacy System Migration Workbench – war über viele Jahre ein gewohntes und vielseitig eingesetztes Tool, sowohl für Datenmigrationen als auch für wiederkehrende Tätigkeiten in den verschiedenen SAP-Modulen. Mit einfachen Mitteln konnten massenhaft Stammdaten angelegt oder periodische Aufgaben im System ausgeführt werden – ohne großen Implementierungsaufwand und ohne zwingend Programmierkenntnisse zu benötigen.

Unter S/4HANA funktioniert die LSMW zwar grundsätzlich noch, allerdings weist SAP ausdrücklich darauf hin, dass die Nutzung auf eigenes Risiko erfolgt und die Ergebnisse durch den Kunden umfassend getestet werden müssen. Viele Funktionen werden nicht mehr unterstützt (z. B. Bildschirmaufzeichnung in SAP-Fiori Apps ist nicht möglich). Außerdem haben sich die Schnittstellen und Transaktionen geändert.

Als strategische Nachfolgelösung für die Datenmigration hat SAP daher das SAP S/4HANA Migration Cockpit eingeführt. Dieses Tool wird von SAP aktiv weiterentwickelt und stellt die empfohlene Standardlösung für Migrationen nach S/4HANA dar.

SAP S/4HANA Migration Cockpit

SAP hat für solche Zwecke daraufhin das Migration Cockpit entwickelt. Das Migration Cockpit steht als moderne Fiori-App zur Verfügung und dient als neues Werkzeug zur Datenmigration sowohl im onPrem-System, als auch im Private-Cloud-Umfeld.

LSMW vs. SAP Migration Cockpit

Abb. 2: Unterschiede zwischen der LSMW und dem SAP Migration Cockpit

Das oben gezeigte Bild veranschaulicht die Unterschiede zwischen der LSMW und dem SAP Migration Cockpit. Neben der neu eingeführten Staging-Tabelle ist insbesondere die Möglichkeit hinzugekommen, Migrationsdaten vorab zu simulieren.

Werkzeuge

Die LSMW bietet weder umfassende Analyse- noch komfortable Überwachungsfunktionen. Eine Simulation der Migration ist nur eingeschränkt möglich (z. B. über Batch-Input). Das SAP Migration Cockpit stellt hingegen über eine Fiori-App Funktionen bereit, um Migrationsdaten zu simulieren, zu analysieren und anschließend die eigentliche Migration durchzuführen.

Datenquellen

Das SAP Migration Cockpit unterstützt zwei grundsätzliche Ansätze für die Datenmigration:

  • Dateibasierte Migration: Die Daten werden zunächst über Dateien temporär in das SAP-System geladen. Dort können sie vor der finalen Übernahme noch geprüft und angepasst werden.
  • Direkter Datentransfer: Daten können z. B. aus einem EWM-System direkt aus den R/3-Datenbanktabellen in die entsprechenden S/4HANA-Tabellen migriert werden. Das spart erheblich Zeit und reduziert manuellen Aufwand.

Während in der LSMW im Wesentlichen nur klassische CSV-Dateien als Datenquelle genutzt werden können, unterstützt das SAP Migration Cockpit neben CSV-Dateien auch XML-Dateien sowie den direkten Zugriff auf SAP-Tabellen anderer Systeme. Dadurch entfällt in vielen Fällen das Exportieren und nachträgliche Bearbeiten von Daten in externen Dateien.

Datenverarbeitung

Auch in der Art der Datenverarbeitung unterscheiden sich LSMW und das Migration Cockpit deutlich:

  • LSMW: Unterstützt Bildschirmaufzeichnungen, vorhandene Reports (z. B. RCCLBI02), BAPIs und IDocs.
  • SAP Migration Cockpit: Nutzt Funktionsbausteine, BAPIs (mit den bekannten Einschränkungen, siehe SAP-Hinweis 2590165) sowie moderne RAP- und Business-Object-Services, auf die SAP zunehmend setzt.

Migrationsobjekte

Aktuell stellt SAP für ein modernes SAP S/4HANA Cloud Public System über 260 vordefinierte Migrationsobjekte zur Verfügung, für ein SAP S/4HANA On-Premise-System sind es über 400 Objekte.
Sollten diese Standardobjekte nicht ausreichen, können über die Transaktion LTMOM (nicht LTMON) eigene Migrationsobjekte definiert und erweitert werden.

In weiteren Blog-Beiträgen werden wir näher auf die Objekte des Migration Cockpits eingehen.

Fazit

Die LSMW funktioniert in Teilen zwar noch in S/4HANA, sollte jedoch nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden. Es wird empfohlen, soweit möglich auf die neue Technologie – das SAP Migration Cockpit – umzusteigen, um von den aktuellen technischen Möglichkeiten zu profitieren.

Trotzdem darf das SAP Migration Cockpit (ebenso wie früher die LSMW) nicht als Massenänderungs- oder „Massen-Update“-Tool missverstanden werden. Es ist kein Ersatz für Integrationslösungen wie die SAP Integration Suite (CPI) oder andere Integrationsszenarien, die für dauerhafte und automatisierte Datenprozesse vorgesehen sind.

Wir von adesso business consulting unterstützen Sie gerne und analysieren gemeinsam mit Ihnen Ihr System. Gemeinsam finden wir mit Ihnen die optimale Migration und/oder Datenverarbeitung Strategie. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

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Ein Beitrag von:

Benjamin Kühnle

Benjamin Kühnle hat über 17 Jahre Erfahrung im Bereich ABAP Entwicklung und technischer Architektur im SAP Umfeld. Sein Fokus liegt auf dem Bereich SAP Technik und Entwicklung im ECC und S/4. Er begleitet Projekte bei der S/4 Umstellung und bei anderen Herausforderungen im SAP Umfeld.
Alle Beiträge von: Benjamin Kühnle

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