6. Mai 2025

MaKo 10/25 – wie geht es weiter nach dem 24h Lieferantenwechsel?

Neben den großen Umstellungen durch den 24h-Lieferantenwechsel zum 6. Juni 2025, der die Energieunternehmen aktuell auf Trab hält, kündigen sich bereits die nächsten Änderungen zum 1. Oktober an. Im weiteren Verlauf finden Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst: 

Diese Versionen gelten verbindlich ab dem 01.10.2025, für alle gemäß den Festlegungen zur Marktkommunikation umsetzungspflichtigen Marktteilnehmer.

„Aufgrund der Anpassungen im MsbG, die sich auf die Artikel-ID der POG auswirken, wurde festgelegt, dass die Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID bereits zum 01.09 2025 umzusetzen ist. […]“

Quelle: Bundesnetzagentur

1. Neue AHB-Struktur: Einheitlich, übersichtlich, konsequent getrennt 

Mit MaKo 10/25 wird die Struktur der Anwendungshandbücher (AHBs) überarbeitet. Künftig enthält jedes AHB ausschließlich Anwendungsfälle eines einzelnen Nachrichtentyps, inklusive aller zugehörigen Erläuterungen. 
Das heißt konkret: Mischdokumente gehören der Vergangenheit an. Nachrichtentypen wie APERAK und CONTRL, REMADV und INVOIC oder UTILMD und UTILTS sind jetzt konsequent voneinander getrennt und in eigenen AHBs dokumentiert. 

2. Prozesse zur Änderung der Technik an Lokationen – neue Anwendungshilfe  

Mit der neuen Anwendungshilfe des BDEW werden die Prozesse zur Änderung technischer Einrichtungen an Messlokationen grundlegend neu gefasst. Sie ersetzt und ergänzt die bisherigen Vorgaben aus der WiM Strom (BK6-24-174) und schafft damit eine klare und nachvollziehbare Struktur für alle Marktrollen. 

Im Mittelpunkt stehen die beiden standardisierten Use-Cases: 

  • Messlokationsänderung durch den Netzbetreiber (NB) 
  • Messlokationsänderung durch den Lieferanten (LF) 
  • jeweils in Richtung des zuständigen Messstellenbetreibers (MSB). 
Abb.1: Messlokationsänderungen

Der Ablauf ist durchgängig einheitlich gestaltet: Anfrage  Angebot  Bestellung  Durchführung oder Rückmeldung  Abrechnung.

Abgerechnet wird ausschließlich auf Basis des elektronischen Preisblatts B, das nur Leistungen mit vordefinierten Artikel-IDs enthält. Die Nutzung dieser Codeliste ist verbindlich, individuelle Erweiterungen sind ausgeschlossen.

Neben Transparenz bringt die Anwendungshilfe auch Verbindlichkeit und Verlässlichkeit: Fristen für Angebots- und Bestellantworten sind klar geregelt, ebenso wie der Umgang mit Reklamationen – nach dem bekannten „Alles-oder-Nichts-Prinzip“.

Die Spezifikation dieser Prozesse ist einer der Haupttreiber für die anstehenden Formatänderungen.

3. Welche Formate ändern sich? – ein Überblick

Die Umsetzung der neuen Prozesse zur Technikänderung an Lokationen schlägt sich in zahlreichen Nachrichtentypen nieder. Neben redaktionellen Korrekturen wurden viele Formate erweitert oder strukturell angepasst. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Neue Use-Cases & EBDs

  • COMDIS, QUOTES, REQOTE, ORDERSP, REMADV u. a. wurden zur Umsetzung der Anwendungshilfe mit neuen EBDs ergänzt
  • Fokus liegt auf Abwicklung und Rückmeldung zu Technikänderungen
  • Prüfung korrekter Stornobeträge inkl. Vorzeichen
  • Erfüllung der Anforderungen nach §14 Abs. 4 UStG
  • Entfernung des Wahlrechts zur Prognosegrundlage bei iMS-Messlokationen
  • Rückbau fehlerhafter Änderungs-ID zur Sicherstellung der Prüfung bei Abschlagsrechnungen
  • Allgemeine Präzisierungen in Prüfschritten

IFTSTA & ORDERS

  • Erweiterung um neue Segmente zur Übermittlung des Messstellenumbaustatus
  • Ergänzung von Segmenten zur Steuerbarkeit und Lieferrichtung
  • Steuerbarkeit künftig analog zur Netzlokation nur auf Ebene der Steuerbaren Ressource (SR) möglich

Rechnungsformate: INVOIC & REMADV

  • Stornorechnung wiederhergestellt, neuer Rechnungstyp TEC für Technikabrechnungen, Sonderrechnungstyp Z10 für Konzessionsabgabe aufgenommen
  • Klarstellungen zur Abweisung von Stornorechnungen, inkl. Hinweis zu §14 UStG (Rechnungsanforderungen)

Preisblatt & Angebot: PRICAT & QUOTES

  • Einführung des neuen Z94 Preisblatts Technik
  • Neue Kapitel zu Angebot und Anfrage von Technikänderungen; klare Trennung zwischen Mengenangabe (bei Standardleistung) und Preis/Menge (bei Individualangeboten)

APERAK & CONTRL

  • Vereinheitlichung der Einsatzregeln und Detailtiefe
  • Empfänger-/Senderlogik bei spartenübergreifendem Austausch präzisiert 

Wie geht es weiter nach MaKo 10/25?

Nach den Umstellungen rund um den Lieferantenwechsel in 24 Stunden werden sich die Formatänderungen im Oktober auf ein handhabbares Maß beschränken. Der Fokus liegt dieses Mal klar auf Struktur, Konsistenz und der technischen Detailarbeit, statt auf revolutionären Prozessänderungen.

Die Arbeiten an MaKo 2026 laufen bereits im Hintergrund. Und wer genau hinhört, weiß: Auch im Gasbereich rückt der 24h-Wechsel immer näher. Eine entsprechende Anpassung der Marktprozesse dürfte mittelfristig auf der Agenda landen.

Diesen Beitrag teilen:

Themen und Schlagwörter:

Ein Beitrag von:

Carolina Stegherr

Carolina Stegherr ist Utilities Consultant mit Schwerpunkt auf Marktkommunikation. In ihren Projekten verbindet sie ihr Fachwissen mit einem starken Fokus auf die Umsetzung und Implementierung neuer Anforderungen.
Alle Beiträge von: Carolina Stegherr

Ähnliche Beiträge

E-Invoicing in Irland – im Wandel der Zeit mit Peppol und KI

E-Invoicing in Irland – im Wandel der Zeit mit Peppol und KI

Die 7. Ausgabe von ELEVATE by Fintua fand dieses Jahr im St. Mary’s Medieval Mile Museum in Kilkenny statt. Viele Expert:innen aus den Bereichen Tax Technology, Indirect Tax, KI sowie E-Invoicing trafen sich, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen und...

Mit ViDA in eine digitale Steuerwelt: Was Unternehmen zum 3-Säulen-Modell wissen müssen

Mit ViDA in eine digitale Steuerwelt: Was Unternehmen zum 3-Säulen-Modell wissen müssen

Steuerbetrug, komplizierte Meldepflichten und unterschiedliche nationale Vorgaben im grenzübergreifenden Handel sorgen dafür, dass die Erstellung von Meldungen zunehmend komplexer und auch fehleranfälliger wird. Genau an dieser Stelle möchte die EU mit ViDA – „VAT in the Digital Age“ ansetzen. Das Ziel ist klar – ein Modernisierungspaket, das auf drei Säulen basiert: digitale Meldepflichten, Plattformökonomie und einheitliche Mehrwertsteuerregistrierung.

SAP Carve-Outs: Eine Analyse der selektiven Unternehmenstrennung

SAP Carve-Outs: Eine Analyse der selektiven Unternehmenstrennung

Die fortschreitende Globalisierung und der damit verbundene Strukturwandel in der Unternehmenswelt haben dazu geführt, dass Fusionen, Übernahmen und insbesondere die Veräußerung von Geschäftsbereichen – sogenannte Carve-Outs – zu einer täglichen Realität im strategischen Management geworden sind. SAP Carve-Outs sind dabei weit mehr als einfache Datenextraktionen.