19. Januar 2026

SAP Business Suite in der Life-Sciences-Branche

Nachdem wir im dritten Teil dieser Serie beschrieben haben, wie die neue SAP Business Suite-Strategie mit S/4HANA, Business Data Cloud, BTP und Joule das Fundament für digitale Transformation bildet, geht es nun um die Umsetzung: Wie werden Architektur und Strategie in den operativen Prozessen wirksam?
Gerade in der Life-Sciences-Branche entscheidet die Prozessarchitektur darüber, ob regulatorische Anforderungen, Qualitätssicherung und Innovation in Einklang gebracht werden können. Sie ist das Bindeglied zwischen Vision und operativer Realität und damit der Punkt, an dem das Flywheel wirklich in Bewegung kommt.

Vom Architekturkonzept zum durchgängigen Prozess

SAP S/4HANA bildet den digitalen Kern, auf dem Forschung, Produktion, Qualitätssicherung und Supply Chain nahtlos miteinander verbunden werden. Die Herausforderung besteht darin, diese Domänen nicht nur technisch zu integrieren, sondern auch prozessual so zu gestalten, dass Datenflüsse durchgängig, nachvollziehbar und validierbar bleiben.

In der Forschung und Entwicklung (F&E) ermöglicht S/4HANA die konsistente Steuerung von Rezepturen, Versuchsdaten und Studienlogistik. Materialstammdaten, Stücklisten und Herstellvorschriften werden miteinander verknüpft und stehen in Echtzeit für nachgelagerte Produktions- und Qualitätsprozesse bereit. Damit entsteht ein digitaler Lebenszyklus – vom Labor über die klinische Studie bis hin zur Freigabe – transparent, auditierbar und regelkonform.

In der Fertigung greifen S/4HANA Manufacturing for Life Sciences und der Batch Release Hub ineinander. Produktions-, Qualitäts- und Spezifikationsdaten werden automatisch abgeglichen, elektronische Signaturen dokumentieren Freigaben und Audit-Trails sichern regulatorische Nachweise. Der bisher manuelle Übergang zwischen Produktion und Qualität wird so zu einem kontinuierlichen, validierten Datenfluss – ein entscheidender Schritt, um Compliance, Effizienz und Patientensicherheit zu vereinen.

Auch die Integration mit SAP Digital Manufacturing gewinnt an Bedeutung. Sie erlaubt es, die Verbindung, Produktionsdaten in Echtzeit zu analysieren, Abweichungen früh zu erkennen und KI-gestützte Steuerungen aufzubauen. Dies verbessert die Produktqualität und stärkt zugleich den Datenfluss zwischen Produktions-, Labor- und Planungsprozessen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Blogartikel.

Supply Chain als Schlüsselfaktor für Transparenz und Agilität

In der Life-Sciences-Branche hängt Wettbewerbsfähigkeit zunehmend davon ab, wie flexibel Unternehmen auf Marktveränderungen, regulatorische Anforderungen oder Produktionsengpässe reagieren können. Mit SAP S/4HANA Supply Chain und Integrated Business Planning (IBP) stellt SAP eine Plattform bereit, die operative Steuerung, Szenarioplanung und prädiktive Analytik eng verzahnt.

S/4HANA steuert Materialflüsse, Bestände und Logistikprozesse. IBP ergänzt dies durch simulationsgestützte Planungsmodelle, die Absatztrends, Lieferfähigkeit und Produktionskapazitäten in Einklang bringen. SAP-Experte Jörg Pütz betont in einem Interview bei Ankerkopf, dass „integrierte Planung und Echtzeitdaten Unternehmen befähigen, ihre Supply Chains zukunftssicher und resilient zu gestalten“. Erfahren Sie hier mehr zu SAP Supply Chain Management bei adesso business consulting.

Ein zentrales Instrument ist die Demand & Supply Segmentation, die Materialien, Märkte und regulatorische Anforderungen differenziert abbildet – etwa Haltbarkeiten, Verpackungsvarianten oder regionale Zulassungen. Dadurch werden Lieferketten steuerbar, auch wenn sie hochgradig diversifiziert sind.

Darüber hinaus etabliert sich der Two-Tier-ERP-Ansatz als strategisches Architekturmodell: Zentral gesteuerte S/4HANA-Landschaften im Headquarter, ergänzt durch Public-Cloud-Systeme für Tochtergesellschaften oder Produktionsstandorte. Wie im adesso-Blog beschrieben, vereint dieser Ansatz globale Governance mit lokaler Agilität. Ein ideales Modell für Life-Sciences-Unternehmen, die international tätig sind und dennoch konsistente Compliance und Stammdatenqualität sicherstellen müssen.

Qualität als Rückgrat der Prozessarchitektur

In keiner anderen Branche ist Qualität so eng mit Regulatorik, Risiko und Markenwert verbunden wie in der Life-Sciences-Industrie.
Mit SAP S/4HANA Quality Management werden Qualitätsprozesse direkt in Fertigung, Einkauf und Logistik integriert. Abweichungen werden automatisch erfasst, bewertet und über Workflows zur Bearbeitung weitergeleitet. Über die SAP BTP lassen sich Machine-Learning-Modelle einbinden, die Muster in Qualitätsdaten erkennen und Frühwarnmechanismen aufbauen – die Basis für Predictive Quality.

Das verändert das Rollenverständnis von Qualität: weg von einer reaktiven Kontrolle hin zu einer proaktiven, datenbasierten Qualitätssicherung. Jede Transaktion und jeder Datensatz bleibt dabei über Audit-Trails nachvollziehbar – ein entscheidender Faktor in validierten Systemumgebungen.
Wie SAP betont, liefert gerade diese Verbindung aus Qualitäts- und Produktionsdaten die Grundlage für schnellere Freigabezyklen und kürzere Time-to-Market-Prozesse.

Vom validierten Prozess zur lernenden Organisation

Wenn Unternehmen ihre Kernprozesse in S/4HANA standardisiert und validiert abbilden, entsteht mehr als nur Effizienz: Es entsteht eine Architektur, die lernt.
Die Business Data Cloud fungiert dabei als semantischer Daten-Layer, auf dem KI-Analysen aufbauen. Produktions-, Logistik- und Finanzdaten werden mit Compliance- und Forschungsinformationen verknüpft. So kann ein Qualitätsrisiko in der Produktion automatisch mit den betroffenen Lieferungen assoziiert werden, während parallel die Supply Chain-Neuplanung startet – eine proaktive Reaktion, bevor Engpässe entstehen.

Das ist das Herz des Flywheels: Prozesse erzeugen Daten, Daten schaffen Erkenntnis, Erkenntnis verbessert Prozesse – ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Die Rolle von adesso business consulting

adesso business consulting begleitet Life-Sciences-Unternehmen bei der Realisierung dieser Prozessarchitektur – von der Analyse über Design und Implementierung bis zur validierungsfähigen Prozessoptimierung.
Dabei kommen Frameworks und Best Practices zum Einsatz, die aus zahlreichen Transformationsprojekten stammen, zum Beispiel die strukturierte Fit-to-Standard-Methodik, die Clean Core-Bewertung oder das SAP BTP-basierte Prozessmonitoring.

Durch die Verbindung von Branchenexpertise, Prozessdesign und technologischem Know-how hilft adesso Unternehmen, ihre Systeme nicht nur zu transformieren, sondern ihre Organisation datengetrieben weiterzuentwickeln. So wird das Flywheel zu einem nachhaltigen Instrument der Wertschöpfung – stabil im Kern, agil an der Peripherie.

Ausblick: Die Transformationstoolchain der SAP

Im nächsten und abschließenden Beitrag dieser Serie betrachten wir die Transformationstoolchain der SAP, also die Werkzeuge, Methoden und Governance-Mechanismen, die Unternehmen benötigen, um ihr Flywheel dauerhaft in Bewegung zu halten.
Von SAP Signavio, Cloud ALM und Test-Automatisierung bis hin zu Change-Impact-Analysen und Validierungs-Frameworks: Wir zeigen, wie Unternehmen regulatorische Sicherheit, operative Geschwindigkeit und Innovationskraft verbinden und damit aus Prozessarchitektur echte digitale Exzellenz schaffen.

Diesen Beitrag teilen:

Themen und Schlagwörter:

Ein Beitrag von:

Jan Ammann

Jan Ammann ist Competence Center Lead für Prozessindustrie und Life Sciences und unterstützt unsere Kunden bei ihrer SAP Transformation. Sein Fokus liegt auf Greenfield Projekten und der strategischen Zusammenarbeit mit Life Sciences Kunden. Jan Ammann arbeitet eng mit der SAP daran, branchenspezifische Trends und Anforderungen zu erkennen und Lösungen sowie Beratungsansätze in SAP zu finden.
Alle Beiträge von: Jan Ammann und Stephan Limberg

Ähnliche Beiträge

Die neue SAP Business Suite-Strategie als Fundament

Die neue SAP Business Suite-Strategie als Fundament

Der Blick richtet sich auf die strategische Ausrichtung von SAP selbst: Wie die neue Business Suite-Strategie das Fundament für diese digitale Transformation bildet und warum sie gerade in regulierten Branchen wie Life Sciences von entscheidender Bedeutung ist.

Das Flywheel der digitalen Transformation

Das Flywheel der digitalen Transformation

In diesem Beitrag zeigen wir, wie Unternehmen im Life-Sciences-Sektor ihr Flywheel der digitalen Transformation in Gang setzen und was sie brauchen, um es am Laufen zu halten.

Die Zukunft der Life-Sciences-Branche

Die Zukunft der Life-Sciences-Branche

Die Pharmaindustrie befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels. Die Zeit der „klassischen“ Blockbuster-Medikamente geht zwar zu Ende, doch das Blockbuster-Prinzip lebt weiter.